Grafik: J.Kamphausen und Weltinnenraum
NEWSLETTER - Ausgabe 43 / November 2008  



   Das November Thema: 
   
  
 

Verehrte LeserIn,

  

die Wirtschaftkrise: was bedeutet sie eigentlich für Sie?

Wie macht sie sich – außer in der Form von ein paar aufgeregten Informationen und evtl. ganz konkreten Ängsten, die diese bei Ihnen auslösen – bei Ihnen praktisch und persönlich bemerkbar?

Würden Sie mich fragen: Ich spüre Erleichterung!

Immer fassungsloser habe ich unserem Treiben zugeschaut.
Die aktuellen Entwicklungen – so meine Hoffnung – fördern bestimmte Einsichten, um unsere egozentrische Haltung und unser missachtendes Handeln, das dieser Krise zugrunde liegt, zu erkennen und zu transformieren.
 
Unsere Ausbeutung der Natur (z.B. verbrauchen wir in jedem Jahr Energiereserven, für deren „Herstellung“ die Erde 100.000 Jahre benötigt), wie unsere Teilhabe an der Entwürdigung eines großen Teils der Menschheit (der Hunger rafft täglich 25.000 Kinder hinweg, wenn ich mich in Situation von Millionen Mütter und Väter hineinzuversetzen versuche, die ihre Kinder nicht ernähren können, überkommt mich tiefe Trauer und heiliger Zorn), sowie unsere Bereicherung an den Armen dieser Welt (nur durch ihre Ausbeutung können wir Tee, Kaffee und viele Nahrungsmittel so günstig einkaufen – machen uns ein schönes Leben auf ihrem Rücken!)
 
Sie und ich können die Liste permanenter Ungerechtigkeiten, deren Nutznießer wir sind, seitenlang fortsetzen. Wir brauchen also gar nicht nach draußen zu schauen, um die Verursacher diese Krise festzumachen – ein Blick in den Spiegel genügt. Er zeigt uns aber auch denjenigen, der am ehesten daran etwas ändern kann. Denn darauf zu warten, dass die Anderen etwas tun, ist eher frustrierend. Die Opferhaltung einzunehmen („man kann ja nichts tun, weil die Anderen Schuld sind…“) bedeutet zwar, sich selbst unschuldig fühlen zu dürfen, aber hinterlässt auch das Gefühl des Ausgeliefertsein und der Machtlosigkeit. Und so wird sich eben nichts verändern!

Jede Öffnung und innere Zuwendung in Richtung auf Ausgleich, jedes Geben, jedes Teilen, jede liebevolle Geste, jede Form von Hilfsangebot – in jede Richtung, jede Übernahme von eigener Verantwortung für das Leid, dass wir tagtäglich (mit-) verursachen, macht uns stärker, bewusster, macht uns zukunftsfähig, bringt uns einander näher, macht die Welt zu einem besseren Platz.

Wir haben in den vergangenen Jahrzehnten auf die Gräueltaten des 2. Weltkrieges geschaut und auf die Duldung der Ermordung von Millionen Juden durch unser Volk – und wir sind gemahnt worden, die Erinnerung daran wach zu halten. Mir kommt vor, dass die Fixierung auf diese in der Vergangenheit liegenden Ereignisse uns ein Alibi verschafft hat, nicht auf unsere stillschweigende Mitwirkung bei der Tötung von täglich 40.000, jährlich 14.600.000 unserer Brüder und Schwestern zu schauen, die heute, in diesem Moment, des Hungers sterben. Ich werde mich nicht gegenüber meinen Enkeln damit herausreden können, dass ich „davon nichts gewusst“ habe. Und Sie können das auch nicht.

Die aktuelle Krise macht uns die Einseitigkeit unserer eigenen Wahrnehmung bewusst. Zu lange haben wir den Begriff des eigenen Vermögens gleichgesetzt mit den finanziellen Mitteln, über die wir verfügen. Und die Krise des Finanzsystems trifft uns daher mitten ins Mark. Vielleicht öffnet sich angesichts der Geschehnisse unser Blick für die Vielfältigkeit unseres Vermögens – zur Liebe, zum Mitgefühl, zur Achtsamkeit, zur Offenheit, zur Vergebung, zur Hilfe, zur Kommunikation, zur Übernahme von Verantwortung.

Ich sehe nicht, dass die Lösung in einem neuen Konzept, einer anderen Aktion, in Kurskorrekturen, evtl. gar in Gewalt, der Dominanz der Einen über die Anderen etc. liegt. Ich bin überzeugt, das Grundproblem wird sich zunächst langsam und dann immer schneller auflösen, wenn in unserem Bewusstsein glasklar erscheint, dass ich das, was ich den geringsten meiner Brüder antue, mir selbst antue.

Lassen Sie uns heute damit anfangen, jeder in seiner Weise und in seinem Tempo. Jeder auf sich schauend, nicht auf die Anderen. Wenn jeder selbst Verantwortung für den Zustand dieser Welt übernimmt, jeder bei sich selbst anfängt, Initiative und Fantasie entwickelt, was ich selbst alles ändern kann, was in meiner Macht steht. Damit setzen Sie ein machtvolles Zeichen, dass Anderen ein Beispiel sein wird.
Dem kann sich auf Dauer keiner entziehen. So wird die Krise der Wegbereiter einer neuen Zeit sein.

Ich habe unter mein.weltinnenraum.de ein Diskussionsforum eingerichtet, dort habe ich das aufgeführt, was mich die Krise lehrt und welche Konsequenzen ich konkret ziehe.
Ich lade Sie ein, Ihren Beitrag zur Inspiration anderer Besucher zu leisten und sich selbst wiederum durch die Beiträge anderer inspirieren zu lassen.







Ihr
Joachim Kamphausen

Verleger


 
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